Warum gute Fachkräfte kündigen
und was Führungskräfte dagegen tun können

Es ist Montagmorgen.
Die E-Mail kommt kurz nach sieben.
Betreff: Kündigung.
Sie öffnen die Nachricht und lesen den Namen.

Ausgerechnet sie.
Die Kollegin, die immer eingesprungen ist, wenn jemand krank war.
Die Fachkraft, die schwierige Elterngespräche übernommen hat.
Die Mitarbeiterin, die neue Kolleg*innen eingearbeitet hat, ohne dass man sie darum bitten musste.
Die Person, bei der Sie sich nie Sorgen machen mussten, ob etwas erledigt wird.

Sie lesen die Zeilen ein zweites Mal.
Dann ein drittes Mal.

Und plötzlich stellen Sie sich die Frage, die sich viele Führungskräfte irgendwann stellen:
Warum?
Warum geht ausgerechnet jemand, der so engagiert war?
Warum kündigen häufig nicht die Mitarbeitenden, die ständig unzufrieden wirken, sondern diejenigen, die den Laden am Laufen halten?

Die Antwort ist oft unangenehm.
Denn gute Fachkräfte kündigen selten von heute auf morgen.
Die Entscheidung beginnt meist Monate oder sogar Jahre früher.
Nicht mit einer Kündigung.
Sondern mit Enttäuschungen.
Mit Erschöpfung.
Mit dem Gefühl, nicht mehr gesehen zu werden.
Und mit der Erkenntnis, dass sich trotz aller Bemühungen nichts verändert.

Die stille Kündigung beginnt lange vor der offiziellen

Vor einigen Jahren führte ich ein Gespräch mit einer Fachkraft, die als äußerst belastbar galt.

Sie war fachlich stark, bei Eltern geschätzt und im Team anerkannt.

Als sie ihre Kündigung einreichte, war die Überraschung groß.

„Warum hast du nie etwas gesagt?“, fragte jemand.

Ihre Antwort war erschütternd einfach:

„Doch. Ich habe es gesagt. Immer wieder.
Nur hat niemand wirklich zugehört.“

Dieser Satz ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben.

Denn viele Führungskräfte erleben Kündigungen als plötzliche Entscheidungen.

Für die betroffene Fachkraft sind sie häufig das Ende eines langen Prozesses.

Ein Prozess aus Überlastung, Frustration und dem Gefühl,
allein zu sein.

Menschen verlassen selten die Arbeit. Sie verlassen Zustände.

Natürlich spielen Gehalt, Arbeitszeiten oder Karrierechancen eine Rolle.

Doch in Gesprächen mit Fachkräften höre ich immer wieder andere Gründe.

Sie fühlen sich nicht gesehen.

Sie erleben Konflikte, die niemand anspricht.

Sie übernehmen dauerhaft Verantwortung, ohne Unterstützung zu erhalten.

Sie werden immer dann wahrgenommen, wenn etwas nicht funktioniert.

Aber selten dann, wenn sie etwas gut machen.

Mit der Zeit entsteht ein gefährlicher Gedanke:

„Es ist egal, wie sehr ich mich bemühe.“

Und genau in diesem Moment beginnt die innere Kündigung.

Die Leistungsträger*innen tragen oft die schwerste Last

Ein weiterer Irrtum besteht darin zu glauben, dass die stärksten Mitarbeitenden auch die belastbarsten seien.

Gerade die engagierten Fachkräfte geraten häufig in eine gefährliche Rolle.

Sie springen ein.

Sie übernehmen zusätzliche Aufgaben.

Sie lösen Probleme.

Sie halten Konflikte aus.

Sie kompensieren Personalmangel.

Sie funktionieren.

Von außen wirkt das beeindruckend.

Von innen kostet es Kraft.

Sehr viel Kraft.

Irgendwann stellen sich viele von ihnen dieselbe Frage:

„Wer kümmert sich eigentlich um mich?“

Wenn darauf über Monate oder Jahre keine Antwort folgt, wird aus Engagement Erschöpfung.

Und aus Erschöpfung Rückzug.

Der Satz, der alarmieren sollte

Viele Führungskräfte achten auf Beschwerden.

Auf Konflikte.

Auf Kritik.

Doch oft sind es andere Sätze, die aufmerksam machen sollten.

Sätze wie:

„Ist schon in Ordnung.“

„Ich mache das eben.“

„Dann bleibe ich halt länger.“

„Das schaffen wir irgendwie.“

Was nach Hilfsbereitschaft klingt, kann auch ein Warnsignal sein.

Denn Menschen, die sich dauerhaft anpassen, äußern ihre Belastung häufig erst dann, wenn sie längst zu groß geworden ist.

Was gute Führung wirklich bedeutet

Gute Führung bedeutet nicht, für alles eine Lösung zu haben.

Sie bedeutet auch nicht, jede Krise verhindern zu können.

Aber gute Führung bedeutet, präsent zu sein.

Nachzufragen.

Zuzuhören.

Belastungen ernst zu nehmen.

Wertschätzung nicht nur zu denken, sondern auszusprechen.

Und Menschen nicht erst dann wahrzunehmen, wenn ihre Kündigung auf dem Tisch liegt.

Oft reicht eine einzige Frage:

„Wie geht es dir wirklich?“

Nicht zwischen Tür und Angel.

Nicht im Vorbeigehen.

Sondern mit ehrlichem Interesse.

Die entscheidende Frage

Vielleicht sollten wir uns als Führungskräfte weniger fragen:

„Warum kündigen gute Fachkräfte?“

Und häufiger:

„Was tue ich heute dafür, dass sie bleiben möchten?“

Denn die meisten Menschen verlassen ihren Arbeitsplatz nicht wegen eines schlechten Tages.

Sie gehen, weil sie zu viele davon hatten.

Und weil irgendwann der Moment kommt, an dem Hoffnung durch Resignation ersetzt wird.

Wenn wir Fachkräfte halten wollen, müssen wir deshalb früher hinschauen.

Früher zuhören.

Früher handeln.

Nicht erst bei der Kündigung.

Sondern lange davor.

Gute Fachkräfte aktiv halten: durch Coaching und Beratung

Die Kündigung guter Fachkräfte ist ein Warnsignal.
Sie zeigt, dass bestehende Strukturen oder Kommunikationswege möglicherweise nicht ausreichen.
Als erfahrene Kitaleiterin und Coachin unterstütze ich soziale Organisationen dabei, diese Herausforderungen zu meistern.

Mein Fokus liegt darauf, Führungskräfte zu stärken, Teamgesundheit zu fördern und nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die Ihre wertvollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter langfristig an Ihre Einrichtung binden.

Lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie Sie Ihre Fachkräfte nicht nur halten, sondern auch inspirieren und weiterentwickeln können.