Bewusstheit beginnt dort, wo Ausreden enden –
Was Christian Bischoffs Buch mit mir gemacht hat
Manche Bücher liest man.
Andere lesen einen.
„Bewusstheit“ von Christian Bischoff gehört für mich zu den Büchern, die noch lange nachwirken. Nicht, weil sie einfache Antworten liefern. Sondern weil sie Fragen stellen, denen man sich nicht immer gerne stellt.
In einer Zeit, in der viele Menschen funktionieren, statt bewusst zu leben, trifft dieses Buch einen Nerv. Es beschäftigt sich mit Themen wie Selbstverantwortung, inneren Überzeugungen, persönlichem Wachstum und der Frage, wer wir eigentlich sein möchten – jenseits von Rollen, Erwartungen und äußeren Erfolgen.
Als Kitaleitung, Fachberaterin, Coach und Studentin der Sozialen Arbeit begegnen mir diese Fragen nicht nur in Büchern, sondern jeden Tag in meiner beruflichen Praxis. Umso spannender war es für mich, die Gedanken von Christian Bischoff zu lesen und sie mit meinen eigenen Erfahrungen abzugleichen.
Und vielleicht spielte dabei tatsächlich auch eine kleine Besonderheit eine Rolle: Der gemeinsame Nachname weckte meine Neugier von Anfang an. Geblieben bin ich jedoch nicht wegen des Namens, sondern wegen der Inhalte.
Warum mich dieses Buch bewegt hat und welche Gedanken besonders hängen geblieben sind, möchte ich in diesem Beitrag teilen.
Manchmal begegnen uns Bücher genau zum richtigen Zeitpunkt.
Nicht, weil sie Antworten liefern, die wir vorher nicht kannten.
Sondern weil sie uns zwingen, Fragen zu stellen, denen wir vielleicht schon lange aus dem Weg gegangen sind.
So ging es mir mit dem Buch „Bewusstheit“ von Christian Bischoff.
Als ich den Namen auf dem Cover las, musste ich zunächst schmunzeln. Schließlich trägt der Autor denselben Nachnamen wie ich. Natürlich weiß ich, dass wir nicht verwandt sind. Dennoch entstand sofort eine gewisse Neugier. Vielleicht schaut man bei einem Namensvetter etwas genauer hin. Vielleicht fühlt man sich unbewusst ein wenig verbunden.
Was als kleine Aufmerksamkeit begann, entwickelte sich schnell zu etwas anderem.
Denn dieses Buch hat mich nicht nur zum Nachdenken gebracht.
Es hat mich an vielen Stellen dazu eingeladen, mich selbst zu hinterfragen.
Zwischen Funktionieren und Leben
Wer mich kennt, weiß, dass mein Alltag selten ruhig ist.
Ich leite eine Kindertageseinrichtung, studiere Soziale Arbeit, bilde mich kontinuierlich weiter, begleite Menschen in Beratungs- und Coachingprozessen und versuche gleichzeitig, auch als Mensch noch ausreichend Raum für mich selbst zu finden.
Viele Menschen in sozialen Berufen kennen dieses Gefühl.
Der Kalender ist voll.
Die Verantwortung groß.
Die Erwartungen hoch.
Man organisiert, plant, löst Probleme, begleitet Krisen, führt Gespräche und kümmert sich um andere.
Irgendwann entsteht dabei die Gefahr, dass man zwar funktioniert, aber nicht mehr bewusst lebt.
Genau an diesem Punkt hat mich das Buch abgeholt.
Christian Bischoff stellt immer wieder eine zentrale Frage:
Wer möchtest du sein?
Nicht:
Was möchtest du besitzen?
Was möchtest du verdienen?
Welchen Titel möchtest du tragen?
Sondern:
Wer möchtest du sein?
Diese Frage klingt zunächst einfach.
Tatsächlich ist sie unbequem.
Denn sie zwingt uns dazu, hinter Rollen, Statussymbole und Leistungen zu schauen.
Sie zwingt uns dazu, uns selbst zu begegnen.
Warum Leistung allein nicht glücklich macht
Ein Gedanke, der sich durch das gesamte Buch zieht, ist die Unterscheidung zwischen Haben und Sein.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der Erfolg häufig messbar gemacht wird.
Mehr Gehalt.
Mehr Reichweite.
Mehr Status.
Mehr Besitz.
Mehr Anerkennung.
Doch irgendwann stellt sich die Frage:
Was passiert, wenn wir all das erreicht haben?
Sind wir dann automatisch erfüllt?
Sind wir automatisch glücklich?
Sind wir automatisch bei uns angekommen?
Christian Bischoff argumentiert, dass viele Menschen ihr Leben damit verbringen, etwas zu erreichen, ohne sich darüber klar zu werden, wer sie eigentlich sein möchten.
Dieser Gedanke hat mich sehr beschäftigt.
Gerade weil ich in den vergangenen Jahren selbst viele Ziele verfolgt habe.
Weiterbildungen.
Verantwortung.
Studium.
Neue berufliche Perspektiven.
All das ist wichtig.
Doch das Buch erinnert daran, dass Entwicklung mehr ist als das Sammeln von Erfolgen.
Es geht letztlich darum, welche Persönlichkeit hinter diesen Erfolgen steht.
Die Geschichte, die wir uns selbst erzählen
Besonders spannend fand ich die Auseinandersetzung mit unseren inneren Überzeugungen.
Viele Menschen glauben, ihre Gedanken seien die Wahrheit.
Dabei sind Gedanken oft nur Geschichten.
Geschichten, die wir uns selbst erzählen.
Geschichten, die wir irgendwann übernommen haben.
Vielleicht von Eltern.
Von Lehrkräften.
Von früheren Erfahrungen.
Von gesellschaftlichen Erwartungen.
Das Buch macht deutlich, wie stark diese inneren Geschichten unser Handeln beeinflussen.
Wer glaubt, nicht gut genug zu sein, wird Chancen oft nicht nutzen.
Wer glaubt, scheitern zu müssen, wird Risiken vermeiden.
Wer glaubt, nichts verändern zu können, bleibt häufig stehen.
Als Fachkraft im sozialen Bereich begegnet mir das täglich.
Bei Kindern.
Bei Eltern.
Bei Mitarbeiter*innen.
Und manchmal auch bei mir selbst.
Genau deshalb halte ich diesen Gedanken für so wertvoll.
Nicht weil positives Denken alle Probleme löst.
Sondern weil Bewusstheit uns ermöglicht zu erkennen, welche Geschichten wir über uns selbst erzählen.
Und ob diese Geschichten uns eigentlich noch dienen.
Bewusstheit bedeutet Verantwortung
Der vielleicht wichtigste Gedanke des Buches lautet für mich:
Bewusstheit bedeutet Verantwortung.
Nicht Schuld.
Verantwortung.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Viele Menschen erleben schwierige Lebensumstände.
Krisen.
Verluste.
Krankheiten.
Konflikte.
Ungerechtigkeiten.
Wir können nicht alles kontrollieren, was uns widerfährt.
Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.
Genau darin liegt die Kraft, von der Christian Bischoff spricht.
Es geht nicht darum, Probleme wegzudenken.
Es geht darum, die eigene Haltung bewusst zu wählen.
Für mich war das besonders eindrücklich, weil ich selbst erlebt habe, wie schnell sich Lebenspläne verändern können.
Gesundheitliche Herausforderungen, berufliche Umbrüche oder persönliche Krisen lassen sich nicht immer verhindern.
Die Frage ist jedoch, welche Bedeutung wir ihnen geben.
Warum dieses Buch auch für Führungskräfte wichtig ist
Während des Lesens musste ich immer wieder an Führung denken.
Nicht an Management.
Nicht an Organisation.
Sondern an echte Führung.
Menschen folgen selten unseren Worten.
Sie folgen unserer Haltung.
Kinder tun das.
Mitarbeiter*innen tun das.
Teams tun das.
Deshalb beginnt gute Führung immer bei der Selbstführung.
Wer sich selbst nicht reflektiert, wird andere schwer begleiten können.
Wer seine eigenen Muster nicht kennt, wird sie oft unbewusst an andere weitergeben.
Wer seine eigenen Ängste nicht erkennt, trifft Entscheidungen häufig aus Unsicherheit statt aus Klarheit.
Das Buch erinnert daran, dass persönliche Entwicklung kein Luxus ist.
Sie ist die Grundlage dafür, andere Menschen verantwortungsvoll begleiten zu können.
Mein persönliches Fazit
„Bewusstheit“ von Christian Bischoff ist für mich weit mehr als ein klassisches Persönlichkeitsentwicklungsbuch.
Es ist eine Einladung, innezuhalten.
Eine Einladung, sich selbst Fragen zu stellen.
Eine Einladung, Verantwortung für das eigene Denken und Handeln zu übernehmen.
Nicht jede Aussage habe ich uneingeschränkt geteilt.
Nicht jeder Gedanke hat mich gleichermaßen überzeugt.
Doch genau das macht ein gutes Buch aus.
Es fordert heraus.
Es regt zum Nachdenken an.
Es hinterlässt Spuren.
Vielleicht habe ich das Buch ursprünglich wegen eines gemeinsamen Nachnamens aufgeschlagen.
Doch am Ende habe ich es aus einem anderen Grund wertgeschätzt.
Weil es mich daran erinnert hat, dass persönliches Wachstum nicht dort beginnt, wo wir die Welt verändern wollen.
Sondern dort, wo wir den Mut haben, uns selbst ehrlich zu begegnen.
Und vielleicht ist genau das die eigentliche Bedeutung von Bewusstheit.
Quellen
Dieser Artikel basiert unter anderem auf folgenden Werken:
Christian Bischoff: Bewusstheit

Bücher können inspirieren.
Veränderung entsteht jedoch meist dann, wenn Gedanken in Handlungen übergehen.
Die Themen Bewusstheit, Selbstführung, Kommunikation, Teamgesundheit und persönliche Entwicklung begleiten mich deshalb nicht nur
als Leserin, sondern auch in meiner täglichen Arbeit als Kitaleitung, Fachberaterin und Coach.
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